Tier-Ethik

Vegetarier entscheiden sich oftmals aus tier-ethischen Gründen für eine vegetarische Ernährung. Der Konsum von Fleisch geschieht auf der Basis der Tötung von Tieren, von denen wir heute zweilfellos wissen, dass sie empfindungsfähig und leidensfähig sind. Zudem geht jede Form der Tierhaltung notwendigerweise aufgrund erforderlicher Züchtungen, Transporte und der Schlachtung mit Leid einher. Eine leidfreie Haltung und Schlachtung sogenannter Nutztiere ist eine Illusion, die tatsächlich beispielsweise auch im Bereich der ökologischen Landwirtschaft nicht einmal ansatzweise umsetzbar ist (siehe hierzu auch Artikel auf vegan.eu: Ob konventionell oder bio: Fleischgewinnung bedeutet Tierleid, Schlachten tut weh, Elektrobetäubung beim Schlachten ist grausam und inhuman).

 

Vegetarier wenden sich gegen das Tierleid und für den Tierschutz und Tierrechte, indem sie nicht durch den Konsum getöteter Tiere an dieser Leidzufügung partizipieren möchten. Vegetarier wollen damit ebenfalls ein Zeichen setzen und die Empfindungsfähigkeit der Tiere und ein ihnen zuzusprechendes Recht, nicht durch den Menschen wegen dessen Konsum getötet zu werden, im gesellschaftlichen Bewusstsein verankern.

 

Auch wenn es zweifelsohne Raubtiere gibt, die andere Tiere töten müssen, um zu überleben und dies auch instinkthaft tun, ist dies beim Menschen nicht der Fall. Der Mensch muss keine Tiere töten, um sich zu ernähren, sondern Studien zeigen im Gegenteil, dass eine vegetarische Ernährung sogar mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden ist (siehe zum Beispiel hier Auflistung entsprechender Studien auf den Seiten des Vegetarierbund Deutschland). Der Mensch kann die Entscheidung treffen, Tiere zu töten, um sich zu ernähren. Er kann aber ebenso die Entscheidung treffen, sich ohne das Töten von Tieren zu ernähren.

 

Richtig ist, dass auch ohne den Fleischkonsum des Menschen in der Natur Tiere getötet werden, erkranken und sterben. Eine Natur ohne Leid ist nicht umsetzbar. Doch ethisch motivierte Vegetarier gehen davon aus, dass die Sachlage des auch ohne Eingriff des Menschen bestehenden Leides uns nicht dazu bringen sollte, das bestehende Leid noch zu steigern. Ethisch motivierte Vegetarier stehen vielmehr für Leidminderung ein.

 

Selbst wenn Menschen schon seit Langem sich auch von Fleisch ernährt haben mögen, ist dies heute weder notwendig noch lässt sich hieraus folgern, dass der Fleischkonsum fortgesetzt werden sollte. Auch die Sachlage, dass die große Mehrheit der Menschen Fleisch isst, belegt nicht, dass dies richtig ist. Vielmehr können sich Mehrheiten irren und auch langandauernd Fehlverhalten zeigen, was die menschliche Geschichte allzu oft unter Beweis gestellt ob es Kriege, Sklaverei oder Frauenunterdrückung betrifft. Der ethisch motivierte Vegetarismus hält auch die Tierausbeutung und Tiertötung für ein gesellschaftliches Unrecht, was zu überwinden gilt.

 

Selbst wenn die spekulative und umstrittene Hypothese richtig wäre, dass der Mensch sich erst durch Fleischkonsum entwickelt hätte, wäre dies für die sich heute stellende Frage, ob wir Fleisch essen sollen, irrelevant. Denn sicher ist, dass wir heute keinerlei Fleisch konsumieren müssen, um unseren Kalorienbedarf und alle Nährstoffe zu decken und gesund zu leben.

 

Allerdings werden ethisch motivierte Vegetarier, die nach wie vor andere Tierprodukte konsumieren, wie Milch und Eier, mit dem Problem konfrontiert, dass die Produktion dieser Güter ebenfalls mit Tierleid einhergeht und zudem in die Tiertötungs-Maschinerie eingebunden ist. So werden für die Bereitstellung vonLegehennen - übrigens auch für Bio-Hühner - zunächst die panischen Küken ausgelesen, wobeid ie männlichen Küken zermust oder vergast werden, während die weiblichen Küken, oft übereinander gestapelt, zu den Legehennenbetrieben geliefert werden. Auch einige weibliche Küken überleben dies nicht. Spätestens nach 2-3 Jahren ist auch ein Bio-Huhn völlig erschöpft, die Eier-Produktion sinkt, so dass nunmehr alls Hühner "ausgestallt" und zur Schlachtung gebracht werden. Freilandhühnern geht es hier nicht anders als Hühnern aus Bodenhaltung. Den Milchkühen geht es kaum besser. Küher geben nur Milch, wenn sie regelmäßig schwanger werden.  Nach Geburt werden im Regelfall die Kinder schnell weggenommen, wobei bei ökologischer Haltung ein etwas längerer Kontakt möglich ist. Auf die männlichen neugeborenen Rinder wartet der Tod, die weiblichen Neugeborenen werden das Schicksal der Mütter teilen. Gibt eine Kuh nicht mehr genug Milch, wird sie geschlachtet.

 

Weil die Produktion von Eiern und Milch letztlich nicht ohne die Tötung von Tieren möglich ist und dem Kauf dieser Produkte die Tierausbeutungsindustrie unterstützt wird, entscheiden sich ethisch motivierte Vegetarier heute vermehrt für die konsequente Form des Vegetarismus, den sogenannten Veganismus, der gänzlich auf den Konsum von Tierprodukten verzichtet. Die vegane Lebensweise ermöglicht es, sich nicht mehr an dem durch die Nutztierhaltung produziertem Tierleid zu beteiligen und damit gleichzeitig die Möglichkeit einer friedfertigen Ernährung vorzuleben.