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Der Euphemismus vom guten Fleisch

(Kommentare: 2)

Kann es edel zu sein, zu essen, wofür Blut vergossen wird?

Die Fleischskandale der letzten Zeit lösen zwei gegensätzliche Handlungsempfehlungen aus:

 

ENTWEDER Vegetarier oder noch konsequenter Veganer werden und so auf Fleisch ganz verzichten ODER weiter Fleisch essen, aber beim Einkauf auf „gutes Fleisch“ achten.

 

"Gutes Fleisch" sei, so heißt es, teurer und stamme vom „Metzger des Vertrauens“, am besten aus Bio-Produktion.

 

Nach einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ scheint das Lied vom "guten Fleisch" kaum einer besser zu singen  als der französische Metzger Yves-Marie Le Bourdonnec, der nicht nur Metzger, sondern sogar „Edel-Metzger“ sei und dazu noch der  teuerste Metzger von Paris!

 

Liest man den Artikel erfährt man, dass es beim Rindfleisch vor allem auf die Rasse ankomme, grasgefütterte Rinder vorzuziehen seien und dass das Fleisch lange "reifen" müsse, dann sehe es zwar grünlich und weniger ästhetisch aus, sei dafür aber zarter. Ein "guter Fleischer" könne eine Geschichte zu seinem Fleisch erzählen, er sei eine Art Vermittler zwischen dem Kunden und dem Züchter und könne so dem Züchter die Wünsche des Kunden näher bringen und dem Kunden die Realität der Züchtung.

 

Liest man den Artikel mit Perspektive auf die betroffenen Lieferanten des Fleisches, also die Tiere, fällt deren komplette Instrumentalisierung für das „gute Fleisch“ auf.  Die richtige Rasse für das richtige Fleisch, das richtige Futter für dessen Zartheit und Geschmack.

 

Deutlich wird:

 

Tiere bleiben für die Protagonisten des "guten Fleisches" reine Fleisch-Stücke, deren Interessen höchstens dann erwähnenswert sind, wenn sie mit der Fleischqualität korrelieren. Ganz ähnlich klingt dies wie die Geschichte des "Zweinutzungshuhnes", welches die Vergasung oder Zerschredderung von Hühnerküken beenden soll, dabei aber bereits allein durch die Bezeichnung "Zweinutzung" die dahinter stehende Reduktion der Tiere zu Nutzobjekten unmissverständlich ins Bewusstsein ruft.

 

So stellen sich Fragen:

 

Ist es wirklich edel, Tiere zu töten, ihre Körper zu zerlegen, sie zur Lockerung der Leichenstarre reifen, sprich kontrolliert verwesen zu lassen, um sie dann zu essen? Sind "Edelmetzger" oder "Metzger des Vertrauens" eine echte Lösung, oder sind sie nur eine Scheinlösung, die schönredet, was nicht edel und was nicht schön sein kann?

 

Denken wir hierüber nach und mobilisieren wir unsere Tugenden von Weichheit und Mitgefühl, statt Verleugnung und Ausblendung, werden wir wohl zu keinem anderen Schluss gelangen können als dem, dass nicht das "gute Fleisch", sondern der Fleischverzicht die wirklich edle Alternative ist.

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Kommentar von Christian Perner |

da ich selber bauer bin und davon lebe dass ich rinder töte und das tote tier als "edelrindfleisch" an ausgewählte österreichische kunden liefere kann ich sehr gut verstehen welch im grunde abartige verhaltensweise das konsumieren von fleisch ist. wenn ich sehe welch unschuldigen und liebenswerten geschöpfe meine rinder sind weiss ich das wird sie nicht töten dürfen.

derzeit schafft es die menschheit leider noch nicht ohne fleisch zu leben, allerdings müsste als erster schritt weg vom Fleisch die volle kostenwahrheit dem fleischkonsum angerechnet werden um, und das war früher auch so, fleisch wieder zu einem luxusgut zu machen bei dem der mensch 10 mal überlegt ob er sich es finaziell leisten ,und auch mit seinem gewissen vereinbaren kann ein tier zu töten. weiters sollte es für fleischproduktion keine öffentlichen förderungen mehr geben. das geld sollte stattdessen in objektiver aufklärung über unser verhalten investiert werden um in ferner
zukunft dem mensch seinen geschmack auf fleisch zu verderben.
da ich meine tiere auch selber (leider noch) esse, ich jedoch weiss welches" Gesicht" es hatte esse ich fleisch nur noch in im bewusstsein wirklich zu versuchen immer weniger davon zu essen, was mir
leider nur so halbwegs gelingt!!
mein grosses ziel in naher zukunft wird sein dass ich fleisch nur noch an kunden verkaufen werde, welche das tier dass sie essen werden zuerst bei mir am hof als lebewesen kennen zu lernen haben und dann auch bei der schlachtung des selbigen dabei sein zu MÜSSEN.
Sollte jemand meiner kunden sich dies nicht "antun" wollen werde ich nicht mehr bereit ihm weiterhin fleisch zu verkaufen. ich denke so kann ich mehr für die in zukunft mögliche fleischfreie gesellschaft tun als wie wenn ich gleich meine rinderhaltung aufgebn würde und ein anderes "landwirtschaftliches" produkt erzeugen würde.
LG christian

Kommentar von monaco_franze |

Wo man Fleisch kauft, macht schon einen erheblichen Unterschied. Zum Glück gibt es bei uns in der Gegend jede Menge Hofläden, bei denen man die Kuh oder das Schwein tatsächlich noch persönlich kennenlernen kann. Das hier finde ich auch sehr unterstützenswert: http://www.meinekleinefarm.org/ Leider ist das Angebot ral. klein.