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Wann hören Fleischesser Vegetariern und Veganern zu?

(Kommentare: 4)

Greenbaum (2012) führte Interviews mit 26 Veganern und Vegetariern durch, um herauszufinden, wie vegan und vegetarisch lebende Menschen mit ihrem nicht-veganen und nicht-vegetarischen Umfeld kommunizieren.

 

Im Ergebnis stellt Greenbaum fest, dass alle Interviewten auch negativen Reaktionen ihres sozialen Umfeldes auf ihre vegane oder vegetarische Lebensweise ausgesetzt waren. Dabei entstand bei den Interviewten mehrheitlich der Eindruck, dass die meisten Menschen, die Fleisch oder andere Tierprodukte essen, nicht wirklich wissen, aber auch nicht wirklich wissen wollen, mit welchem Leid die Produktion dieser Nahrungsmittel verbunden ist. Nach den Eindrücken der interviewten vegan und vegetarisch lebenden Personen reagieren Fleischesser vielmehr oft mit Strategien der Leugnung. Sie vermeiden demnach eine echte Auseinandersetzung mit den Sachverhalten, um nicht zu Erkenntnissen zu gelangen, die von ihnen eine Veränderung des Lebenswandels erfordern würden. Dies setzt allerdings bereits ein gewisses Schuldbewusstsein voraus. Dies wiederum stimmt mit Befunden überein, die zeigen, dass fleischessende Menschen dazu neigen, Vegetarier abzuwerten, weil sie bereits deren bloße Anwesenheit als moralischen Angriff auf die eigene Person erleben (siehe hier).

 

Wie gehen Veganer und Vegetarier mit dieser schwierigen Situation um?

 

Die von Greenbaum interviewten Personen kamen übereinstimmend zu der Ansicht, dass eine dauerhafte Konfrontations-Strategie letztlich nicht effektiv ist, um bei den meisten Menschen einen tatsächlichen Verhaltenswandel anzuregen. Einige der Interviewten griffen zunächst zu einer Konfrontationsstrategie, gaben aber wegen Erfolglosigkeit mit den Jahren diesen Kommunikationsstil auf.

 

Werden die Erfahrungen der 26 interviewten Personen zugrunde gelegt, ergeben sich folgende Empfehlungen, wie Veganer und Vegetarier effektiv mit ihrer fleischessenden Umwelt kommunizieren können:

 

-  Destruktive Konfrontation vermeiden. Wenn sich zeigt, dass Menschen abweisend oder gar aggressiv auf die vegan-vegetarische Thematik reagieren, mag es langfristig sinnvoller sein, zunächst der Konfrontation aus dem Weg zu gehen und über andere Themen einen gemeinsamen Bezug zu finden. Dies ist durchaus plausibel. Denn wenn Menschen sich gegenseitig abwerten, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie einander zuhören und sich anregen lassen.

 

-  Auf den richtigen Zeitpunkt warten. Nicht jeder Zeitpunkt ist der Richtige. Oft aber ergeben sich im Verlauf einer zwischenmenschlichen Beziehung doch Momente, wo Themen aufgegriffen werden können, die zuvor nicht konstruktiv miteinander diskutierbar waren. Manchmal mag es besser sein abzuwarten, als vorschnell Porzellan zu zerschlagen.

 

-  Mit eigenem Beispiel voran gehen. Das eigene Beispiel der Möglichkeit, Einfachheit und Gesundheit des Fleischverzichts ist ein maßgeblicher Faktor. Hierdurch lassen sich typische Vorurteile oft schnell widerlegen. Gleichzeitig ergeben sich so häufig Gelegenheiten, den richtigen Zeitpunkt zu finden, beispielsweise wenn Fragen gestellt werden.

 

-  Nicht nur altruistische Motive (Tierrechte / Tierschutz), sondern auch egoistische Motive (z.B. Gesundheit) für den Fleischverzicht benennen. Die Vorteile des Fleischverzichts für die eigene Person sollen so bewusster gemacht werden, um die Motivation zu erhöhen, den eigenen Lebenswandel zu verändern.

 

Was bedeutet das alles?

 

Die 26 interviewten vegan und vegetarisch lebenden Personen geben uns auf jahrelanger eigener Erfahrung beruhende Tipps, wie wir mit unserem fleischessenden Umfeld möglichst effektiv kommunizieren können. Zielstellung ist es, unwirksame Abweisung oder Rückzug zu vermeiden und stattdessen in einen langfristig wirkungsvollen Austausch zu treten.

 

Goldene und immer gültige Regeln lassen sich hieraus allerdings sicherlich nicht ableiten. Denn während viele sich durch konfrontative Strategien, die das Tierleid und die moralischen Implikationen der Fleischessens in den Vordergrund stellen, vielleicht abgestoßen fühlen, sind andere genau hierdurch erreichbar. Immerhin gibt es nicht wenige vegan und vegetarisch lebende Menschen, die genau aufgrund solcher konfrontativer, oft schockierender Informationen dazu gelangt sind, Fleisch und Tierprodukte nicht mehr für ihre Ernährung zu verwenden. Andererseits begegnen wohl allen vegan und vegetarisch lebenden Personen immer wieder Menschen, die - wie es den Erfahrungen der durch Greenbaum interviewten Personen entspricht - negativ auf konfrontative Strategien reagieren. Spätestens dann ist es zwar nicht der einfachere, aber doch der effektivere Weg, erst einmal unnötige Konfrontationen zu vermeiden, auf richtige Zeitpunkte zu warten, mit gutem Beispiel voranzugehen und auch auf stärker eigenbezogene Argumente für den Fleischverzicht, wie die Förderung der Gesundheit, hinzuweisen. 

 

Quelle:

Greenbaum, J. B. (2012) Managing Impressions: “Face-Saving” Strategies of Vegetarians and Vegans. Humanity & Society, 36 (4): 309-325

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Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Dagmar Feist |

Ich bin immer wieder geschockt über die häufig grosse Ignorranz mancher Fleischesser.

Kommentar von wolfgang aubel |

Kommentar morgen

Kommentar von Jonas |

Warum muss dann überhaupt übers Essen reden? Gibt ja auch noch andere Themen.

Kommentar von wolfgang aubel |

also welche erfahrung ich fast immer gemacht habe, ist diese , daß man mir nicht immer zuhört, aus dem konsenz etwas rausnimmt und versucht wird mich "lächerlich" zu machen. immerwiederkehrende witzigkeiten unterschiedlicher menschen sind zu hören.
wie z.b. pflanzen haben auch gefühle, wohin mit den schweinen und rindern usw. und so fort
meine gegenargumente bzw statements werden oftmals ignoriert. manchmal kommen auch kommentare wie: du rauchst aber (ich rauche ca 2 cigaretten täglich) das klischee das veganer "nur" gesund leben ist in vielen köpfen. auch du trinkst ja kaffee. ich kann mir dann nicht verkneifen zu sagen welches lebenfutter in kaffee denn sein sollte.
aber, grosser aber

manchmal ist mir gelungen über die gesundheitsschiene personen zu erreichen.
frauen mit gewichtsproblemen essen jetzt mehr haben bis 25 kg abgenommen und leben vegan.
zu meiner person: 61 jahre erst seit 15 jahren vegetarier und seit 2 jahren veganer (mit einer sicherheit von 99 % lebe ich vegan) manchmal weis ich es nicht so genau wie z.b. es können anteile von lactose enthalten sein. das aber nur am rande erwähnt. meine hunde und katzen leben zu 95 % vegan. sorry . manchmal drücke ich bei den lieblingen ein auge zu .
sie sind sehr gesund. hunde 7 jahre katzen 3 jahre
wurde schon als tierquäler tituliert weil katzen und hunde doch "fleischesser von natur aus waeren" gegenargumente werden ignoriert.
sogar von veganen menschen.
als vegetarier wurde ich nicht oft kritisiert.
als veganer werde ich oft belächelt.
neulich wurde mir von einer arzttochter erzählt ich würde bald an mangelerscheinungen leiden.
tierisches protein wäre lebenswichtig.
jetzt habe ich genug geklagt.
wolfgang aubel grüsst alle veganer und ...
man erzählt mi