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Wieso essen manche selbstbezeichneten Vegetarier Fleisch?

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Echte Vegetarier ekeln sich häufiger vor Fleisch als Teizeit-Vegetarier

Das Phänomen des selbsterklärten Vegetarismus, obwohl Fleisch konsumiert wird, ist mittlerweile empirisch fest etabliert. Es erklärt auch, warum in reinen Umfragen nach dem Motto „Sind Sie Vegetarier?“ weitaus höhere Vegetarier-Raten berichtet werden als in Untersuchungen, die Fragen zu tatsächlich konsumierten Lebensmitteln beinhalten.

 

So wird manchmal von bis zu 10% Vegetariern in der Bundesrepublik Deutschland gesprochen, während die Nationale Verzehrstudie II 2008 lediglich 1.6% Vegetarier (einschließlich Fischesser!) und weniger als 0,1% Veganer identifizierte. Gemäß einer neueren Untersuchung der Universitäten Göttingen und Hohenheim scheint sich seither der Vegetarier-Anteil auf ungefähr 3,5% verdoppelt und der Veganer Anteil auf ungefähr 0,3% verdreifacht zu haben. 

 

Im Fachjournal Appetite wurde Anfang dieses Jahres eine Studie veröffentlicht, die die Einstellungen von Vegetariern und Semi-Vegetariern miteinander verglich. Als Semi-Vegetarier wurden Personen definiert, die sich als Vegetarier betrachten, aber sich nicht komplett vegetarisch ernähren, sondern gelegentlich ebenfalls Fleisch konsumieren.

 

In der Auswertung zeigte sich, dass beide, vegetarisch und semi-vegetarisch lebende Personen, von einer grundsätzlichen Vergleichbarkeit von Tier und Mensch ausgehen, was ein wichtiger Anreiz für eine vegetarische Lebensweise sein kann.

 

Hauptunterschied zwischen Vegetariern und Semi-Vegetariern war demgegenüber, dass semi-vegetarisch ernährende Personen über einen deutlich geringeren Grad an Ekel vor Fleisch berichteten als dies Personen taten, die sich komplett vegetarisch ernährten.

 

Letztlich ist das Phänomen allen bekannt, dass die Einsicht vorhanden ist, aber es an der Umsetzung hapert. Semi-Vegetarier sind grundsätzlich die ethischen Motive, die für einen Fleischverzicht sprechen, bekannt sind und sie teilen diese auch. Sie identifizieren sich so stark mit der vegetarischen Lebensweise, dass sie angeben Vegetarier zu sein, obwohl sie sich nicht vollständig vegetarisch ernähren. Gelegentliche Abweichungen von der vegetarischen Lebensweise – ob bequemlichkeits- oder hedonistisch bedingt -  werden dabei bei Semi-Vegetariern offenbar dadurch erleichtert, dass der zusätzliche Ekel-Schutz  vor einem Rückfall in Fleischkonsum fehlt. Demgegenüber scheinen Personen, die einen Ekel vor Fleisch entwickelt haben, vor einem Rückfall in nicht-vegetarische Ernährungsweise eher gefeit.

 

Im Hinblick auf die zugrundeliegende Motivation, Tiere vor Leid zu schützen, sind sich Vegetarier und Semi-Vegetarier ähnlich. Im Sinne einer anstrebten Verbreitung des Vegetarismus sollten daher Semi-Vegetarier durch Vegetarier nicht verurteilt oder ausgegrenzt, sondern dabei unterstützt werden, die gelegentlichen „Aussetzer“ zu überwinden und in Übereinstimmung mit ihren eigentlichen Einstellungen auf Fleischkonsum gänzlich zu verzichten.

 

Welche Konsequenzen ergeben sich für die Verbreitung der vegetarischen Lebensweise?

 

Es ergibt sich, dass es durchaus sinnvoll sein kann, zusätzlich zu ethischen, ökologischen, sozialen und gesundheitlichen Argumenten für eine vegetarische Lebensweise auch Informationen zu verbreiten, die die Entstehung eines Ekel vor Fleisch fördern können. Ohnehin liegt ein solcher Ekel offensichtlich nahe, weshalb die Fleischindustrie alles tut, um die tatsächliche Natur ihrer Produkte für die Konsumenten unsichtbar zu machen. 

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Kommentar von Ruedi |

Wer Fleisch ißt ist kein Vegetarier! Wer die Definition dieses Begriffs nicht kennt kann das sicher recherchieren. Flexitarier wirds eher treffen, hat mit Vegetarusmus nichts zu tun.